W E I N L A N D

Auf dem Weg nach Adelaide, hält South Australien noch viele Überraschungen bereit. Eine ist Port Germein und liegt am Spencer Golf. Nur eine Kleinstadt, welche aber eine grosse Geschichte hat. 1881 wurde die damals längste Jetty der südlichen Hemisphäre eröffnet. Dies erlaubte den Schiffen bei Ebbe, das in der Umgebung angebaute Getreide zu laden. Ab Mitte der 30-er Jahre im 20. Jahrhundert wurde mit dem Bau der Eisenbahn der Getreide-Transport auf die Schiene verlegt und die Schifffahrt verlor an Bedeutung.

Die anschliessende Fahrt durch die landschaftlich reizvolle Port Germein Schlucht genossen wir in vollen Zügen. Viele Kurven, uralte Eukalyptusbäume, Wildblumen und Ackerland prägten das wunderbare Bild.

Die Siedler kamen in den 1840er Jahren aus England, Irland, Polen und Schlesien in Tal. Die damals gebauten Dörfer sind praktisch alle noch intakt und versetzten uns rund 180 Jahre zurück. Neben diesen ersten Siedlungen wurden Weinberge angelegt. Die Weine aus dem Clare Valley sind heute Weltklasse und mittlerweile auf der ganzen Welt bekannt. So durften natürlich Besuche in den Cellar Doors nicht fehlen.

Wer den Wein mit einem fantastischen Mittagessen geniessen möchte, wählt die Skillogalee Winery. Du sitzt zu Füssen der Reben in einem einladend angelegten Garten, riechst den Duft der vielen Rosen und des Eukalyptus. Diese Kombination, zusammen mit den herausragenden Weinen, wird dir immer in Erinnerung bleiben.

https://www.skillogalee.com.au

Ein Abstecher nach Burra führte uns erneut durch Farmland mit Getreidefeldern, so gross wie der Kanton Glarus. Daneben grosse Herden von Merinoschafen. Landwirtschaft ist die Haupteinnahmequelle der Region. Der Tourismus folgt an zweiter Position, wenn nicht gerade der Covid-19 Virus das Reisen der Übersee-Touristen massiv einschränken würde.

In Burra wurde Kupferbergbau betrieben, als einer der ersten in Australien. Es scheint, als sei die Zeit vor 150 Jahren angehalten worden, wenn wir uns die Tankstellen und Autos wegdenken. Die Stadt ist gepflegt, alles ist so erhalten geblieben, wie es früher war. Eine historische Augenweide. So versteht es sich wie von selbst, dass hier verschiedene Filme gedreht wurden.

https://www.visitburra.com/attractions/

Nur knapp 100 Kilometer südlich ist das Zentrum des Barossa Valleys, dem berühmtesten Weingebiet in Australien. Mitte des 19. Jahrhunderts besiedelten in erster Linie deutsche Einwanderer die Gegend. 1847 pflanzte Johann Grampp die ersten Reben am Jacob’s Creek und gründete damit eine der erfolgreichsten Kellereien. Spannend für uns ist, dass bereits 1890 Weine nach England exportiert wurden.

Wir entschieden uns, die Château Tanunda Winery anzuschauen. Diese befindet sich in Schweizer Hand. Das Gebäude erinnert an die Bierbrauerei Feldschlösschen in Rheinfelden. Eine Schweizer Fahne weht auf dem Schlossdach.

Durch das Wyhus Ryf in Wabern, kennen wir viele Weinhersteller aus diesem Tal. Eine davon die Langmeil Winery, klein aber fein und an einem geschichtsträchtigen Ort in Tanunda zu finden. Empfehlenswert, weil die Kellerei noch in uralten Gebäuden untergebracht ist und viele Relikte aus der Zeit des 19. Jahrhunderts besichtigt werden können.

Natürlich wollten wir auch wissen, wo die feinen Tropfen der Weinikone Wolf Blass herkommen. Also fuhren wir hin. Der Highway hat eine Extraspur, damit abgebogen werden kann. Auf dem Gelände Hinweisschilder nach links, Hinweisschilder nach rechts. Für uns keine Winery, mehr eine Fabrik, ich kann es nicht anders formulieren. Hunderte von Megatanks, ein Extraparkplatz nur für Mitarbeiter, ein Besucherzentrum. Gigantisch. Schon fast etwas unsympathisch.

Als Gegenpol zu Wolf Blass und seine industrielle Weinproduktion, die Lost Penny Winery. Erst vor drei Jahren gegründet. Winemaker ist Carol Riebke, welche vorher für die Craneford Weine verantwortlich zeichnete und diese zu vielen Auszeichnungen führte. Nun ist sie auf sich gestellt. Zusammen mit ihrem Mann wird die ganze Weinproduktion als „self-made-Family“ gemanagt. Drei Kinder und zwei Hunde gehören auch dazu. 

Im Internet fanden wir keine Öffnungszeiten. So tätigten wir einen Telefonruf und wurden eingeladen. Einen Cellar Door gibt es nicht. Die Zufahrtstrasse war nicht geteert, die Winery erst nach einer kurzen Fahrt durch die Reben zu sehen. Carol und ihre zwei Hunden begrüssten uns. Der Betrieb wurde ausführlich vorgestellt, unsere vielen Fragen beantwortet. Später kam Ehemann Nick dazu und zeigte uns, wie Reben veredelt werden. Klar gab es ein Glas "Money Garden", ein hervorragender Cabernet Sauvignon. So nebenbei erzählte uns Carol, dass heute der 2019-er Jahrgang abgefüllt wird (für die Winemaker ein Festtag) und wir erst die zweiten Gäste in ihrem neuen Betrieb sind. Grossartige Menschen, grandiose Weine. Wir wünschen von Herzen viel Erfolg.

https://www.lostpennywines.com

https://www.langmeilwinery.com.au

https://www.chateautanunda.com/?gclid=EAIaIQobChMIsffl-8n87AIVQraWCh2FKAlbEAAYASAAEgKKdvD_BwE

https://wyhus.ch