Outback und Coober Pedy

Port Augusta entschwindet in unserem Rückspiel. Das Outback wird greifbar, die Bäume werden immer wenige, das Grün verschwindet und der rote Sand übernimmt die Hauptrolle. Der Stuart Highway schlängelt sich hinaus in die kaum besiedelte, karge Weite. Eine unglaubliche Fläche breitet sich aus und verschmelzt im Nirgendwo mit dem Horizont. Kleine Büsche, hie und da eine Akazie, alle 30 Minuten ein Parkplatz zum Stoppen; die Hinweisschilder sind deutlich - schläfrige Fahrer sind tot! Am Strassenrand viele Kängurus und einige Schafe. Geköpft, halbiert, verwest oder nur noch am Skelett zu erkennen. Eine Emu Familie dicht am Highway, alle unversehrt bei der Nahrungsaufnahme. Dieser Laufvogel ist flugunfähig und wir wünschen uns, dass der grösste Vogel Australiens nicht auf die Idee kommt, den Highway zu überqueren.

Pimba. Spud’s Roadhouse. Zum Jassen ein Cooper’s Pale Ale. Wir übernachten.

https://www.spudshotel.com.au

Woomera war früher ein Armeestützpunkt der Luftwaffe. Noch heute ist das Gebiet Richtung Nordwesten von geschätzten 150 Kilometern dem Verteidigungsministerium unterstellt. Eine Hochsicherheitsregion. Die Warnschilder sind deutlich. NO ENTRY. Die Missachtung der Vorschrift würde zu erheblichen Konsequenzen führen. So bleiben wir auf dem Highway. Weder links noch rechts biegen wir ab. Alles geradeaus.

Aus dem Nichts ist er da: Lake Hart, ein riesiger Salzsee, mehr als 200 Kilometer von der Küste entfernt. Nun biegen wir ab, stellen unseren Peugeot auf den Parkplatz und gehen zum Ufer des Sees. Wir sind nicht allein. Keine anderen Touristen. Keine Menschen. Nur lästige Fliegen umschwärmen uns. Wir haben mit Hut und Netz unsere Köpfe abgeschirmt. Die unwirkliche Landschaft zu geniessen, können uns die Insekten nicht verderben. Entlang des weissen Gewässers ein Eisenbahngeleise. The Ghan, ein Fernverkehrszug, welcher Adelaide mit Darwin verbindet. Er gehört mit einer Länge von 2’979 Kilometern zu den längsten der Welt. Der Zug durchfährt vier Klimazonen und 22,5 Breitengrade. Heute in erster Linie als Touristenzug genutzt.

https://journeybeyondrail.com.au/journeys/the-ghan/

Coober Pedy heisst übersetzt: Loch des weissen Mannes. Der Ort ist weltberühmt wegen seiner erstmals 1915 entdeckten Opale. Die extremen Sommertemperaturen haben dazu geführt, dass die meisten Einwohner in unterirdischen Wohnhöhlen, sogenannten dugouts, leben. Wir wurden von einem Schweizer eingeladen, sein Dugout zu besuchen. Umwerfend, überraschend, wunderschön, geräumig, luftig und überhaupt nicht wie wir uns eine Höhle vorgestellt hatten. Und die Temperatur ist angeblich im Sommer und im Winter immer gleich. Eine weitere Begegnung, diesmal mit Kostas und Michelle war bereichernd, spannend und lehrreich. Beide stammen aus Griechenland und schürfen, wie die meisten Einwohner der Stadt nach Opalen. Der Verkaufsladen nennt sich „Michelles Opal Beetle“.

https://www.cooberpedy.com/michelles-opals-beetle/

Coober Pedy ist die größte Quelle der Opal Edelsteine. Etwa drei Viertel aller weißen Opale weltweit werden in der näheren Umgebung gefunden.

Ein Problem besteht mit den Aborigines. Die in der Town aufgewachsenen Ureinwohner sind gut integriert und haben Jobs, zum Beispiel in den diversen Hotels, in Shops oder in den Restaurants. Allerdings leben aktuell viele Aborigines in der Stadt, welche zum Teil von sehr weit her kommen, in leerstehende Häusern leben und untereinander streiten, zoffen und eine schlechte Stimmung verbreiten. Die Polizei ist überall.

Die Stadt wird zwei Mal pro Tag mit Greyhound Bussen (das Postauto Australiens) angefahren. So kommen die „fremden“ Ureinwohner auch in die Stadt, auch deshalb, weil der Staat zum Beispiel die Fahrkosten übernimmt.

Eine Augenweide sind die Breakaways. Früher einmal ein grosser Inlandsee und heute eine Wüstenlandschaft mit farbenprächtigen Felsformationen. Die Kulisse wurde in der Vergangenheit für viele Filmdrehs verwenden. Um nur ein paar zu nennen: Pitch Black; The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert; Mad Max und viele mehr.

https://www.parks.sa.gov.au/find-a-park/Browse_by_region/flinders-ranges-outback/kanku-breakaways-conservation-park

Der „dog fence“ ist auch eine Attraktion der Gegend. Dieser Zaun soll die Schafweiden im Südosten des Kontinents vor Raubtieren, hauptsächlich Dingos, aber auch Füchsen, schützen. Er besteht aus Maschendraht, hat eine Höhe von über 180 cm und ist mit einer Länge von 5614 km auf den Gebieten der Bundesstaaten South Australia, New South Wales und Queensland der längste ununterbrochene Zaun und das längste Bauwerk der Welt (die Chinesische Mauer hat Unterbrüche). Durch Stürme, Überschwemmungen und Kamele wird der Dingozaun immer wieder beschädigt und muss aufwendig gewartet werden. Crazy Australia.